Schweizer Chronologie der Elektromobilität


Elektrofahrzeuge gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Zwischenzeitlich wurden Elektromobile durch benzin- und dieselbetriebene Autos verdrängt. Heute sind Elektromobile wieder auf dem Vormarsch. Weltweit waren Ende 2015 1.3 Millionen Elektroautos unterwegs. Deutschland möchte bis 2020 1 Million Elektroautos in Verkehr setzen. In Norwegen sollen ab 2025 nur noch emissionsfreie Fahrzeuge zugelassen werden.
Auf Schweizer Strassen fahren 2011 rund 700 batteriebetriebene Fahrzeuge  — und bis im Jahr 2020 sollen es 100’000 sein.

Wir blicken auf eine spannende Geschichte der Schweizer Elektromobilität zurück:

1902

– Die Tribelhorn AG in Feldbach ZH beginnt mit der Produktion von Personen- und Lastwagen mit Elektroantrieb. Letztere werden in weitaus grösserer Stückzahl gefertigt und bleiben oft bis in die 50er-Jahre im Einsatz.
1912

– Die Elektromobilität erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt: weltweit produzierten 20 Hersteller fast 34’000 Elektromobile. Den rund 130 Elektroautos in der Deutschschweiz stehen 29 Ladestationen zur Verfügung.

1939

– Mit der Treibstoffknappheit während des Zweiten Weltkriegs besinnt man sich wieder auf den Elektroantrieb. Die Elektrische Fahrzeuge AG und die Schweizerische Industrie-Gesellschaft liefern mehrere Tausend Fahrzeuge insbesondere für den öffentlichen Dienst. In den 50er-Jahren werden sie von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren verdrängt.

1978

– Henri Payot hatte seit 1973 an Studien und an der Fabrikation von Strasenfahrzeugen mitgewirkt. am 21. September schlug er vor, die Interessen der Fabrikanten von elektrischen Strassenfahrzeugen in einem Verband zu bündeln. Er war damals technischer Direktor der Soc. Romandie d’Energie (SRE).

1980

– Gründung des ASVER (Association suisse des véhicules électriques routiers) der Schweizerische Verband für elektrische Strassenfahrzeuge als Schweizer Sektion des europäischen Verbands AVERE auf Hinweis von Henri Payot.

1981

– Erste Generalversammlung des ASVER in Bern mit 17 Mitgliedern.

– Auf Initiative von Henri Payot und mit Unterstützung von Elektrizitätswerken, welche Elektromobile förderten, wurde die VSE-Kommission für Elektrofahrzeuge ins Leben gerufen.
1985

– Die Tour de Sol rollt als erstes Rennen für solarbetriebene Elektrofahrzeuge durch die Schweiz. Das Teilnehmerfeld mit dem Gründer der Brusa AG, Josef Brusa und seinem Kompagnon Urs Muntwyler, gilt als Keimzelle der heutigen Elektroautoszene in der Schweiz. Die Tour führte von Romanshorn nach Genf.

1986

– Die Tour de Sol führte von Freiburg (Baden-Württenberg) nach Suhr AG.

– Im Anschluss an die Tour de Sol wurde der Fahrer- und Konstrukteursverband Solar-/Elektromobile (FKVS) gegründet.

– Wilfried Blum (ASVER/VSE) organisiert zusammen mit dem ACS den Grand Prix Formel E. Mit dieser On-Road-Meisterschaft sollte die Alltagstauglichkeit von Elektrofahrzeugen belegt werden. Diese fanden jeweils auf unterschiedlich angelegten Strecken in verschiedenen Regionen der Schweiz statt.

1987

– Die Tour de Sol führte in diesem Jahr von Biel nach Arosa.
1988

– Bei der Horlacher AG in Möhlin AG entsteht der eiförmige Prototyp GL-88. Er erreicht mit 11 PS/8 kW immerhin Tempo 80.

– Die diesjährige Tour de Sol führte von Zürich nach Etoy in der Waadt.

– In diesem Jahr fand auch das erste Solarbootrennen in Etavayer-le-Lac statt.

– Wilfried Blum wird als Vize-Präsident des ASVER gewählt, was er bis 1997 bekleidete.
1989

– Markus Eisenring aus Niederuzwil SG zeigt seinen ersten Elektro-Prototyp, den Stromboli I. Optisch erinnert der Zweisitzer an den Messerschmitt-Kabinenroller aus den 50er-Jahren und schafft mit einer Batterieladung etwa 115 km Reichweite.

– Tour de Sol von Contone TI nach Rheinfelden AG

– Der FKVS ist Mitbegründer der Féderation Internationale des Promoteurs de Véhicules electriques (FIVE) mit Sitz in Zürich, dessen Geschäftsführer war Edi Stolz.

1990

– Im Mai erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift MobilE als offizielles Organ der ASVER, dessen deutscher Teil fast vollumfänglich aus der Feder von Wilfried stammte. Er war Redaktor und teilweise Layouter und sprühte vor Ideen, um die neuen Fahrzeuge bekannt zu machen. Schon in der 1. Nummer veröffentlichte er einen Fahrvergleich von 6 Elektromobilen, die er natürlich alle selbst getestet hatte.

– Tour de Sol von Schaffhausen nach Münsingen BE

– Tour de Sol Alpine (auf Schnee) in Lenzerheide/Valbella

1991

– Tour de Sol von Suhr AG nach Beatenberg

– Tour de Sol Alpine (auf Strassen) von Laax nach St. Moritz

1992

– Tour de Sol von Pforzheim (Baden-Württemberg) nach Saas-Fee VS

– In der MobilE-Ausgabe Nr. 3 vom Juli wurde erstmals ein Hybrid-Auto vorgestellt. Dabei wird über die Kurzerprobung eines VW Golf Elektro-Hybrid berichtet.

– Erstes Förderprogramm des Bundesamtes für Energiewirtschaft BFE für Leichtelektromobile (LEM), dessen Programmleiter Urs Muntwyler wurde.

– Erster Auftritt von ASVER am Autosalon Genf mit elektrischen und effizienten Strassenfahrzeugen.

1993

– Am 5. Juni wurde aus dem FKVS Fahrer- und Konstrukteursverband Solar- und Elektrobile der Schweiz in Bern unter dem Patronat des damaligen Bundesrates Alfons Ogi der neue Verein Elektromobilclub der Schweiz – ECS – gegründet. Der erste Vorstand wurde gebildet von NR Dr. Hansuli Raggenbass (Präsident), Wilfried Blum (VSE/Asver als Vize-Präsident), Daniel Burch (TCS/Asver), Christian Köpfer (Aktuar), Sandro Maciocia (Asmo-Team), Urs Peter Naef (Tour de Sol), Claudio Rosetti (SBG), Curt Schild (ACS/Asver), Pierre Scholl (Scholl Sun Power), Eduard Stolz (FIVE als Kassier).

– in diesem Jahr wurde die letzte Tour de Sol durchgeführt; die Strecke führte von Luzern nach Adelboden.
1994

– Swatch-Chef Nicolas Hayek gründet gemeinsam mit der damaligen Daimler-Benz AG die Micro Compact Car AG in Biel BE. Das Ziel ist die Entwicklung eines günstigen Stadtautos mit geringem Verbrauch und vorzugsweise Elektroantrieb. Letzterer wird von Daimler-Benz bei der Entwicklung nicht verfolgt; Hayek steigt 1998 aus. Der Smart erscheint im gleichen Jahr mit konventionellem Motor.

– Lancierung des Grossversuches vom BEW mit Leichtelektromobilen. 34 Gemeinden hatten sich dafür beworben In 5 Gemeinden: Langenthal, Monthey, Morges, Mendrisio und Wil wurden Anlässe organisiert und der Kauf von Elektromobilen mit 37% Rabatt auf den Fahrzeugen propagiert. Schliesslich wurde Mendrisio für den Grossversuch ausgewählt und das InfoVEL aus der Taufe gehoben. Zusammen mit dem MobilE und dem ECS übernahm die ASVER die Aufgabe, die Erkenntnisse aus dem Grossversuch in den anderen Teilen der Schweiz zu verbreiten und umzusetzen.
1995

– Im Rahmen des Aktionsprogramms Energie 2000 startet ein Grossversuch mit Elektromobilen in Mendrisio TI. Bis zum Ende des Projektes imJuni 2001 werden insgesamt 458 Elektrofahrzeuge an Bewohner Mendrisios und der umliegenden Gemeinden verkauft.
1996

– Die Twike AG in Gelterkinden BL beginnt mit der Produktion des Twike, eines dreirädrigen Zweisitzers. Er ist entweder mit Elektroantrieb mit 6,8 PS/5 kW oder mit zusätzlichem Tretantrieb lieferbar. Das ursprüngliche Konzept als vollverkleidetes Fahrrad mit Tretantrieb schufen Studenten der ETH Zürich. Bis heute (2011) wurden über 850 Stück gebaut.

1997

MobilE erschien für den internationalen Verband AVERE erstmals auf englisch und holländisch.

1998

– René Bautz wurde Nachfolger von Henri Payot als Präsident der ASVER, respektive von e’mobile. Er hat es geschafft, die ASVER in e’mobile zu überführen. Fortan stand das „e“ im Namen nicht mehr nur für Elektro stand sondern auch für eco.
2001

– Bei der Cree AG in Siel entstehen 80 Exemplare des einsitzigen SAM. Das futuristisch gestaltete Elektromobil mit nur drei Rädern gibt es bis jetzt noch nicht in Grossserie.

– Umbenennung von e’mobile in Schweizerischer Verband für elektrische und effiziente Strassenfahrzeuge e’mobile.

2003

– Am 1. Januar führt e’mobile mit Marc Mosimann eine professionelle Geschäftsleitung mit Sitz in Bern ein.

2004

– Susanne Wegmann übernimmt im Frühling die Geschäftsleitung von e’mobile.

2005

– An der Generalversammlung vom 26. Oktober feiert e’mobile das 25-jährige Jubliäum.

– Am 29. Mai wurde unter dem Namen „e-mobil Züri“ ein nichtgewinnorientierter Verein im Sinne von Artikel 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches zur Dirchführung des Formula-E-Rennen gegründet.
2007

– Der Schweizer Finanzinvestor Lorenzo Schmid präsentiert seinen Prototyp Mindset. Trotz mehrfacher Ankündigung einer Serienfertigung existiert bis heute nur dieses eine Exemplar.

– Der zigarrenförmige eTracer der Firma Paraves in Winterthur ZH geht in Serie.

2007-2008

– Der Luzerner Lehrer Louis Palmer hat als erster Mensch in einem solar betriebenen Auto, dem Solartaxi, die Welt umrundet.
2009

– Am Genfer Salon präsentiert Marco Piffaretti den Lampo, einen offenen Zweisitzer mit 270 PS. Das Auto bleibt wie der Lampo2 von 2009 ein Versuchsträger.
– Die Brusa AG, Elektroantriebsspezialist mit zahlreichen Kooperationen mit grossen Autoherstellern, entwickelt mit der Hochschule für Technik Buchs SG den Brusa-Spyder. Der Zweisitzer wird von zwei Motoren mit 272 PS/200 kW angetrieben.
2010

– Im Verkehrshaus in Luzern findet das erste Mal der nationale Kongress zur Elektromobilität statt. Rund 300 Teilnehmer aus Forschung, Politik und Wirtschaft folgten der Einladung der Mobilitätsakademie. Mit der „Charta von Luzern“ formulierten die Unterzeichnenden eine Absichtserklärung, um die Schweiz in den Pionierstand für Elektromobilität zu heben.
– Im Rahmen des Projekts Alpmobil konnten Gäste in der Tourismusregion San Gottardo (Meiringen, Haslital und Goms) während drei Monaten 60 Elektroautos testen.
– Nach der Weltumrundung im Solartaxi organisierte Lous Palmer die ZERO EMISSIONS RACE, der Vorläufer der heutigen WAVEtrophy.

2011

– Die erste WAVEtrophy (World Advanced Vehicle Expedition) führte auf 2680km durch Indien. Daran nahmen vier Teams aus der Schweiz teil.
2012

– Auf Be­treiben der Mo­bilitätsakademie hat sich in Bern der Ver­band „Swiss eMo­bil­ity“ gegründet. Der neue Ver­band wird sich auf poli­tis­cher Ebene für die Mark­ten­twick­lung der Elek­tro­mo­bilität in der Schweiz ein­set­zen.

– Die zweite WAVEtrophy führte auf 2800km zwischen dem 09. – 22. September von Genua durch die Schweiz nach Amsterdam. Bereits im Juni wurde an zwei Tagen eine E-Bike-WAVE durchgeführt.

2013 

– Die dritte WAVE dauerte vom 29. Juni bis 7. Juli und hatte zum Ziel, die Alpen von Ost nach West zu überqueren, von Wien über den Gerlos-, Grossglockner- und Albulapass zum Züri-Fäscht. 35 Teams nahmen daran teil. In Zürich hatte die WAVE mit 281 E-Fahrzeugen den Weltrekord für die grösste Elektroauto-Parade der Welt aufgestellt.

– Am 26. Sep­tem­ber 2013 wird im Bun­de­shaus die par­la­men­tarische Gruppe Elek­tro­mo­bilität gegründet.

– Das Beckenrieder Unternehmen E-Force One AG baut mit dem E18 den ersten Elektro-LKW. Ein 18-Tonner, der ursprünglich ein normaler Diesel-LKW von Iveco Schweiz gewesen ist und elektrifiziert wurde. Coop, Lidl Schweiz, Feldschlösschen und der Bäckereien-Zulieferer Pistor aus Rothenburg fahren damit.

2014

– Die vierte WAVE startete in Stuttgart, wo die Parade mit 481 E-Fahrzeuge einen neuen Weltrekord aufstellten. Danach führte die Tour durch Deutschland bis zur Seebodenalp.

2015

– Am 12. Juni startete die fünfte WAVE in Plauen (D) und führte über eine 30-stündige Königsetappe von Berlin nach Bern. Nach fünf Pässen wurde am 20. Juni das Ziel in St. Gallen erreicht.

– Am 18. Dezember bewilligt der Bundesrat die Zulassung von Rundstreckenrennen für Formel-E-Rennen per 01.04.2016 in der Schweiz. Somit nahm eine über 60-jähriges Verbot ein vorläufiges Ende, welches aufgrund des schweren Unfalls von Le Mans im Jahre 1955 erlassen wurde.

2016

– Die WAVE startete am 10. Juni zur sechsten Tour in Bremenhaven und endete in Liestal.

2017

– Die Grand-Tour of Switzerland feiert in diesem Jahr das 20-jährige Bestehen. Zu diesem Anlass wurde diese wunderbare Tour entlang der Schweizer Sehenswürdigkeiten mit Ladestationen elektrifiziert. Dies war der Anlass die siebte WAVE entlang dieser Route durchzuführen. Nach 1600km, fünf Alpenpässen, entlang 22 Seen und 12 UNESCO Welterbstätten trafen die Teams am 17. Juni in Zürich ein.

– Am 05. Oktober bewilligt der Zürcher Stadtrat das erste Formel-E-Rennen in der Schweiz, welches entlang des Seebeckens im Quartier Enge durchgeführt wurde.

2018

– Am 05. Juni wurde der ECS Elektromobilclub der Schweiz 25 Jahre alt. Die Mitgliederzahl hatte Anfang Jahr bereits 200 überschritten.

– Das erste Formula-E-Rennen der Schweiz fand am 10. Juni beim Zürcher Seebecken statt.

– Erstmals wurden aufgrund der vielen Teams im Vorjahr zwei WAVE’s durchgeführt: vom 08. – 16. Juni mit 1200km und 8700 Höhenmeter quer durch die Schweiz, sowie vom 21. – 29. September mit 1600km und 14’600 Höhenmeter rund um Oesterreich.

– Vom 10. – 15. September findet das einmalige Projekt „Anwil -ein Dorf elektrisch unterwegs“ der Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) statt

 

Quelle: „Pioniere und Prototypen – wie Schweizer Autos unter Strom gesetzt wurden”, erschienen in: SonntagsZeitung vom 15. Mai 2011, S. 92, leicht ergänzt und zeitlich aufdatiert durch ECS.