Tipps beim Occasionskauf


Wie neu oder unfallfrei?

Pro Jahr wechseln rund 860’000 Fahrzeuge in der Schweiz den Besitzer; bei den Elektrofahrzeugen sind es noch weit unter 100 Stück im Jahr. Etwa zwei Drittel aller Verkäufe gehen auf das Konto von Autohändlern und Garagisten, ein Drittel entfällt auf Private. Aber es gibt auch viele Händler die Käufer ausnutzen. Dabei ist folgendes zu beachten:

  • Wird ein Fahrzeug als unfallfrei angepriesen, sollte man darauf achten, dass dies im Vertrag auch so steht. Von einem Unfallwagen spricht man erst, wenn bei einem Unfall tragende Teile (Chassis, Aufhängung, Achsen, Fahrgastzelle) ­beschädigt wurden. Blosse Lackschäden oder der Ersatz geschraubter oder gesteckter Teile genügen dafür nicht.
  • Vorsicht: Der Ausdruck «wie neu» in einem Autoinserat ist nicht gleich­bedeutend mit «unfallfrei». Laut Bundesgericht handelt es sich bei dieser ­Formulierung nicht um eine Zusicherung, sondern um eine «Reklame, welche die Kauflust fördern soll» (Urteil 4A_538/2013). Auch Aussagen wie «neuwertig», «einwandfrei» oder «läuft gut» gelten als unverbindliche Anpreisungen.
  • Die Formulierung «verkauft wie gesehen» oder «ab Platz» bedeutet, dass der Verkäufer nicht für Mängel haftet, die bei der Besichtigung feststellbar waren – etwa für abgefahrene Pneus oder defekte Scheinwerfer. Für versteckte Mängel haftet er aber gleichwohl.
  • Erwirbt man eine Occasion von einem Privaten, erhält man in der Regel keine Garantie. Auch die gesetzliche Gewährleistung ist meist ausgeschlossen. Umso wichtiger ist es, den Wagen von ­einer Fachperson prüfen zu lassen.

 

Garantie

Im besten Fall (aus Sicht des Käufers) ist die Frage der Haftung für Fahrzeugmängel im Kaufvertrag nicht geregelt. Dann gilt das Gesetz, und der Verkäufer muss zwei Jahre für allfällige Mängel gerade­stehen. Das wollen viele Autohändler verhindern. Sie schliessen deshalb die gesetzliche Gewährleistung vertraglich aus. Sofern keine Werksgarantie der Hersteller mehr vorliegt, achten Sie auf mindestens drei Monate Voll­garantie auf Teile und Arbeit, bei teureren Occasionen sechs Monate. Auch Verschleissteile sollten eingeschlossen sein.

 

Wichtige Grundregeln

  • Besuchen Sie Occasionsausstellungen bei Sonnenschein. Beulen und Kratzer sind dann besser sichtbar. Nehmen Sie eine Begleitperson mit und machen Sie eine Probefahrt.
  • Überprüfen Sie im Serviceheft die Wartungsintervalle und Kilometerstände. Verzichten Sie auf den Kauf, wenn der Händler das Serviceheft nicht vorlegen kann.
  • Es ist Sache des Verkäufers, den Wagen vorzuführen. Misstrauen Sie seiner Aussage, der Wagen komme frisch ab einem grossen Service und Sie könnten ihn selber vorführen.
  • Bei Interesse verlangen Sie eine Offerte und studieren die Vertragsdetails. Achten Sie darauf, dass mündliche Zusicherungen des Verkäufers im Vertrag festgehalten sind.
  • Prüfen Sie, ob die Garantie den Angaben in der Werbung entspricht. Bewahren Sie ein allfälliges Inserat auf.
  • Autohändler dürfen die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren im Vertrag mit Privaten ganz ausschliessen oder bis auf ein Jahr verkürzen. Unter Privaten darf die Gewährleistung beliebig verkürzt oder ausgeschlossen werden. Ein Ausschluss hat zur Folge, dass der Käufer beim Auftauchen eines Mangels kein Recht hat, eine Preisreduktion zu verlangen oder den Kauf rückgängig zu machen. Er hat dann nur einen Reparaturanspruch gemäss Garantiebedingungen.
  • Für einen Ausschluss der Gewährleistung braucht es immer eine klare Vereinbarung. «Es genügt nicht, einfach eine Garantie zu gewähren und zu meinen, damit sei die Gewährleistung automatisch wegbedungen», sagt der Berner Rechtsprofessor Thomas Koller. «In solchen Fällen gelten beide Ansprüche nebeneinander.»
  • Als Richtpreis gilt in der Regel die Bewertung durch Eurotax (www.eurotax.ch). Dieser Preis bezieht sich immer auf ein Fahrzeug in einwandfreiem mechanischem Zustand, inklusive einer Garantie von mindestens drei Monaten auf Teile und Arbeit. Beim Kauf von einer Privatperson ohne Garantie nimmt man in der Regel den Mittelwert zwischen «Ankauf/Eintausch» und «Verkauf».
  • Verhandeln Sie nicht nur über den Preis, sondern auch über eine längere Garantie.
  • Leisten Sie keine Reservierungsgebühr oder Anzahlung. Üblich ist: Auto gegen Geld und verlangen Sie eine korrekte Quittung mit volsltändiger Adresse des Verkäufers sowie Angabe des Verkäufers und Kontaktmöglichkeiten
  • Lassen Sie sich vom Verkäufer nicht drängen («Morgen ist das Auto vielleicht weg»). Von einem Kauf können Sie grundsätzlich nicht zurücktreten. Eine mündliche Zusage ist verbindlich. Wenn Sie unsicher sind, verlangen Sie eine Bedenkfrist.