Drei Szenarien der Elektromobilität in der Schweiz bis 2050

Mit dem vorliegenden Update 2021 konkretisiert EBP die Szenarien der BFE-Energieperspektiven 2050+ und liefert detaillierte Informationen zur Zusammensetzung des Personenwagenbestandes (Antriebsarten je Grössenkategorie), zum Ladeverhalten und Energienachfrage der Elektrofahrzeuge. Die Szenarien liegen für die Schweiz sowie räumlich feinaufgelöst für alle Gemeinden der Schweiz vor. Neben einem aktualisierten Szenario «Business as Usual» präsentieren wir erstmals die beiden Szenarien ZERO und ZERO-E.

Die Schweiz befindet sich bei der Elektromobilität im europäischen Mittelfeld, deutlich hinter den Spitzenreitern Norwegen, Island, Schweden und Niederlande. Gegenüber dem Vorjahr hat die Elektromobilität in ganz Europa deutlich Markanteile gewonnen. In der Schweiz waren Elektrofahrzeuge (Summe von rein batterieelektrischen Fahrzeugen «BEV», Plug-in-Hybride «PHEV» und Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeugen «FCEV») Ende 2020 bereits für knapp 2% der gesamtschweizerischen Fahrleistung aller Personenwagen verantwortlich.

Die Entwicklung der Elektromobilität in der Schweiz bis 2050 wird anhand von drei Szenarien aufgezeigt.

  • BAU (Business As Usual). Das Szenario BAU geht davon aus, dass das totalrevidierte CO2-Gesetz per 1.1.2022 in Kraft tritt. Künftige Verschärfungen der EU-Emissionsvorschriften würden in der Schweiz zeitgleich übernommen. Der Bund fördert den Aufbau der privaten Ladeinfrastruktur für Mieter in Mehrfamilienhäusern. Langfristig werden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehrheitlich durch Elektrofahrzeuge ersetzt.
  • ZERO (Net Zero). Das Netto-Null-Ziel wird 2050 erreicht. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren werden bis 2050 komplett durch Elektrofahrzeuge ersetzt. Plug-in-Hybride bleiben im Markt und werden ab 2045 mit synthetischen Treibstoffen betrieben.
  • ZERO E (Net Zero Efficiency). Das Netto-Null-Ziel wird 2050 erreicht. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren werden rasch und konsequent elektrifiziert. Plug-in-Hybride setzen sich nur kurzfristig als Übergangstechnologie durch und werden ab 2030 rasch von reinen batterieelektrischen Fahrzeugen abgelöst. Aus Effizienz- und Kostengründen setzen sich strombasierte, synthetische Treibstoffe bei den Personenwagen nicht durch.

 

Elektrische Fahrleistung in der Schweiz
Bis im Jahr 2030 steigt der Anteil der Elektrofahrzeuge an der Fahrleistung je nach Szenario auf 24 bis 36 %. In den beiden Szenarien ZERO und ZERO-E erreicht der Anteil der Elektrofahrzeuge an der Fahrleistung 2050 100%, im Szenario BAU 84%.

2030 Strombedarf von über 4000 GWH
Der Strombedarf aller heute in der Schweiz verkehrenden Elektrofahrzeuge belauft sich schätzungsweise auf rund 210 GWh pro Jahr. Im Jahr 2025 liegt der Stromverbrauch der Elektromobilität bei 1200 bis 1600 GWh. Im Jahr 2030 könnten es bereits über 4000 GWh sein.

Untergeordnete Rolle von Wasserstoff
Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeuge im Sinne von H2-PHEV könnten bei ambitiösen Klimaschutzvorgaben eine attraktive Lösung sein. Sie erscheinen attraktiver als die Herstellung von «grünen» synthetischen Treibstoffen (Power-to-liquid, PtL) für den Betrieb von PHEV mit Verbrennungsmotoren über das Jahr 2040 hinaus. In allen drei Szenarien spielen Wasserstoff-Brennstoffzellen-Personenwagen eine untergeordnete Rolle, mit schweizweit 0.4 bis 2.3% der Fahrleistung im Jahr 2040, je nach Szenario. Daraus ergibt sich einen Wasserstoffbedarf von 0.2 bis 1.2 PJ im Jahr 2040.